BMW R75/5 von 1972BMW R75/5 von 1972

Produktionsdatum: März 1972
Fahrgestellnr.: 2989xxx
Erstzulassung: 10.04.1972
gekauft am: 07.07.1984
km bei Kauf: 68.060 + 34.512 mit erstem Tacho

Ausführung:

Die BMW R 75/5 wurde im März 1972 produziert und am 31.03.1972 an den BMW Händler Glöckler in Frankfurt ausgeliefert. Die Originalfarbe war Schwarz mit weißer Linie. Sie ist eine Kurzschwinge mit /6-Tank, /6-Vergaser und Kofferhalter für Krauser-Koffer

 

 


 

Die instandgesetzten Vergaser kamen leider erst am Tag vor der Abfahrt nach Magdeburg bei mir an. Somit habe ich sie nicht gleich eingebaut, da ich die Fahraufnahmen nicht gefährden wollte. Den vor der Montage sollten noch Unterdruckanschlüsse nachgerüstet werden. Dies ist ein großer Mangel an den Bing Gleichdruckvergaser der R75/5 der die saubere Synchronisierung deutlich erschwert. Die nachfolgenden Vergaser Modelle von Bing habe standardmäßig einen Unterdruckanschluss.

Ich hatte mir von Böhm aus München Schlauchanschlüsse für die R75/5 Vergaser bestellt. Diese werden in eine 5,9 mm Bohrung eingepresst, stehen dann aber seitlich raus. Das hat mich dann nicht so überzeugt, da dazu die Bohrung in den Vergasern doch deutlich aufgebohrt werden. Ein M5 Gewinde mit einer 4,2 mm Kernbohrung ist mir doch deutlich sympathischer. Auch habe ich M5 Schlauchanschlüsse, die bei Bedarf eingeschraubt werden und im normalen Betrieb durch M5 Schraubern ersetzt werden.

Zunächst wurde das untere Blindloch auf 4,2 mm auf-, aber nicht durchbohrt.

BMW R75/5 Vergaser mit Unterdruckanschluß BMW R75/5 Vergaser mit Unterdruckanschluß

Als Nächstes wurde das M5 Gewinde geschnitten. Zunächst mit einem Einschnitt-Gewindebohrer für eine gute Findung, dann mit einem Maschinen-Gewindebohrer nachgeschnitten, um das Gewinde möglichst tief in das Sackloch zu schneiden. Im letzten Arbeitsgang wurde das Sackloch mit einem 1,5 mm Bohrer durchbohrt.

BMW R75/5 Vergaser mit Unterdruckanschluß BMW R75/5 Vergaser mit Unterdruckanschluß

Nun wird die Bohrung standardmäßig mit einer M5 Schlitzschraube samt Fiberring verschlossen. Beim Synchronisieren der Vergaser werden die Schrauben durch Schlauchanschlüsse mit O-Ring ersetzt.

BMW R75/5 Vergaser mit Unterdruckanschluß BMW R75/5 Vergaser mit Unterdruckanschluß

Die R75/5 wurde auf den Saris-Anhänger geladen und nach Magdeburg getrailert. Nach vielen Stunden auf der Autobahn mit vielen Kilometern Baustelle aber ohne größere Behinderungen kamen wir am Nachmittag etwas außerhalb der Stadt bei unserem Domizil an. Nachdem das Gespann ordentlich parkiert war ging es in die Innenstadt von Magdeburg. Ein Spaziergang von 50 Minuten brachte uns an das Hundertwasser-Haus und wenige sehenswerten Häuser. Glücklicherweise fanden wir aber einen sehr guten Italiener, bei dem der frühe Abend bei einem vorzüglichen Essen verbracht wurde. Ansonsten war Magdeburg nicht sehr interessant.

BMW R75/5 bei Fotoaufnahmen BMW R75/5 bei Fotoaufnahmen

Am nächsten Morgen führen wir zum Treffpunkt und sahen unseren „Konkurrenten“ mit der MZ, den Autor und Fotografen. Nach einem schnellen Kaffee ging es los. Zunächst Fahraufnahmen einzeln, dann zusammen und wieder einzeln mit erhöhter Geschwindigkeit um Kurven. Insgesamt kamen so weitere 90 km auf den Kilometerzähler der R75/5 ohne weitere Probleme oder Macken. Sie ist immer zuverlässig gestartet und einwandfrei gefahren mit kräftigem Durchzug. Auch das Standgas war einwandfrei.

BMW R75/5 bei Fotoaufnahmen BMW R75/5 bei Fotoaufnahmen

Das Erstaunlichste war die Abwesenheit von tauben Fingern oder sonstigen körperlichen Zeichen, die bei anderen Motorrädern immer auftreten. Ein weiterer Beweis der guten Ergonomie.

BMW R75/5 bei Fotoaufnahmen

Durch einen Zufall habe ich den Aufruf in einem Forum für eine R75/5 für einen Fotobeitrag gelesen. Erstaunlicherweise hatte sich noch niemand gemeldet, obwohl der Aufruf schon über 5 Wochen online war.

Ich sagte meine Teilnahme zu, musste dafür allerdings noch ein paar Kleinigkeiten aufhübschen und mir sicher sein, dass sie einwandfrei funktioniert.

Noch vor der Probefahrt verlor sie reichlich Benzin durch einen porösen Benzinschlauch. Kurzerhand habe ich alle bisher noch nicht erneuerte Teilstücke ausgetauscht.

BMW R75/5 Benzinschläuche erneuert

Bei der Probefahrt, nach dem Tanken starb der Motor nach kurzer Zeit ab. Es zeigte sich, dass die Benzinhähne in offen-Stellung zu wenig Benzin durchlassen. In Reserve-Position ist es ausreichend. Also, erst mal nur auf Reserve fahren und später danach schauen. Beim Königsteiner Kreisel hing der Schwimmer im rechten Vergaser und Benzin lief reichlich über. Das war sehr schnell behoben. Die weitere Probefahrt war ohne Probleme dafür mit sehr viel Spaß. Die perfekte Sitzposition zusammen mit ausreichender Leistung ist eine Freude. Mehr Motorrad braucht man eigentlich nicht.

Zu Hause angekommen wurden noch ein paar optische Mängel an der oberen Gabelbrücke und der Lenkkopfverschraubung behoben. Dabei kam der von Muthig geerbte modifizierte 36er Gabelschlüssel zum Einsatz.

36er Gabelschlüssel von Muthig modifiziert BMW R75/5 Gabebrücke aufgehübscht

Abschließend eine Wäsche und ein paar Chromteile poliert. Dann ist die R75/5 bereit.

Die originalen Vergaser sind leider nicht rechtzeitig zum Fototermin aus der Instandsetzung zurück, daher bleiben die /6 Vergaser dran.

BMW R75/5 bereit zum Fotoshooting

Der Versuch die R75/5 zu verkaufen war nicht erfolgreich. Ja, ich habe sie nicht als Schnäppchen angeboten, sondern für einen Preis der dem Zustand entspricht. Da ich keinen Druck habe und auch ordentliche R75/5 nicht mehr nachwachsen behalte ich sie. Ich werde sie natürlich zum Festpreis auf dieser Webseite anbieten aber den Verkauf nicht weiter forcieren.

Auch werde ich noch ein paar Kleinigkeiten angehen, die mich noch stören. Nach der Restaurierung haben die originalen Vergaser nicht gut funktioniert. Ich hatte sie gegen neue /6 Vergaser ersetzt, die Originalen aber gut eingelagert.

Eingelagerte Bing Vergaser der R75/5 vor der Überholung

Nun werde ich diese instand setzen und mit Unterdruckanschlüssen versehen um sie einfacher zu synchronisieren. Auch eine große Inspektion steht an.
Dann wird sie zusammen mit der R90S und der R61 in meine Außengarage verlegt. Dort habe ich bereits ein Ladegerät und Kleinkompressor platziert, damit ich jederzeit starten kann.

Nachdem ich oder besser gesagt ein potenzieller Käufer (wie peinlich) den Rost im Tank entdeckt hatte, war klar, so wie sie ist, kann ich sie nicht verkaufen.

Also habe ich den Tank zu Otto nach Augsburg geschickt. Dort wurde er entrostet und die Begutachtung ergab keine wirklichen Rostschäden. Die Innenflächen des Tanks waren blank und ohne Rostnarben. Es wurde eine Innenbeschichtung mit FERTAN 2k Epoxidharz aufgebracht, die der originalen Tankfarbe entspricht.

BMW 75/5 Tank neu beschichtet  BMW R75/5 mit neuer Batterie

Als Nächstes wurde das Motoröl und die Benzinleitungen gewechselt. Eine neue Batterie eingebaut und 5 Liter frisches Benzin eingefüllt. Ein erster Startversuch war nach wenigen Umdrehungen des Anlassers erfolgreich. Nun nochmals die Vergaser und Zündeinstellung kontrolliert und eine kurze Probefahrt zu Jans Werkstatt unternommen. Alles einwandfrei und zur vollsten Zufriedenheit.

Die erste Fahrt nach fast 20 Jahren mit der BMW R75/5

Nun wurde die R75/5 erneut bei den einschlägigen Portalen zum Verkauf ausgeschrieben. Bisher ohne Erfolg.

Hier verkaufe ich meine R75/5 von 1972. Die BMW R 75/5 wurde im März 1972 produziert und am 31.03.1972 an den BMW Händler Glöckler in Frankfurt ausgeliefert. Sie ist eine der letzten Kurzschwingen und ich besitze sie seit 1984. Am Anfang war sie Daily Driver, wurde dann abgestellt und durch einen R4 ersetzt.

Später erfolgte die umfangreiche Revision mit folgenden Arbeiten und Neuteilen:

  • Motor und Getriebe bei Ulis überholt
  • Bleifrei-Umbau
  • Neue Vergaser und komplette Auspuffanlage
  • Neue Sitzbank
  • Neuer Kabelbaum und Elektrik
  • Gabel überholt mit Wirth Gabelfedern
  • Rahmen Kunststoff beschichtet
  • Neue Lackierung mit Hand-Linierung
  • Alu-Teile Glasperlgestrahlt
  • Räder überholt und Edelstahlspeichen
  • Bremstrommeln ausgedreht
  • Neue Schwingen- und Lenkkopflager
  • Viele Schrauben und Muttern in Edelstahl
  • …und vieles, vieles mehr

…und dann zwei Jahre Motorrad-Touren in neuem Glanz mit ca. 2000 km Wegstrecke insgesamt.

Natürlich hat sie Matching Numbers und es gibt ein Zertifikat von BMW Classic über die Authentizität und Erstauslieferung dazu. Über 11.000 Euro (!) wurden im Laufe der Jahre investiert und sind mit vielen Rechnungen in einem dicken Ordner belegt.

Im Jahr 2000 wurde sie eingemottet mit frischem Öl, auch in den Zylindern und den Benzintank gefüllt und mit Obenöl versehen. Die Räder wurden entlastet, um Standplatten zu vermeiden.

Nun, nach 18 Jahren habe ich die Plane abgenommen, die R75/5 gewaschen und wollte sie so verkaufen, wie sie ist. Dann habe ich aber Rost im Tank entdeckt und ihn professionell Innen restaurieren lassen. Dann gab es noch eine neue Batterie und Benzinleitungen. Dazu wurde das Motoröl gewechselt und schon schnurrt sie wie am ersten Tag. Nun kommen noch ein paar Probefahrten, um sich der einwandfreien Funktion zu versichern. Das Ergebnis ist eine BMW R75/5 in einzigartigem Zustand. Die Bilder sprechen für sich.

Das Classic-Data Gutachten vom Mai 2018 (neu!) nennt eine Zustandsnote von 2+ und einen Wiederbeschaffungswert von 10.500 Euro.                                    

Mehr Details unter Kauf & Verkauf

Im Frühjahr 1993 begann ich dann mit der Totalrestauration der /5. Diese dauerte bis 1997 und verschlang viel Zeit und Geld.
Weitere nacharbeiten wurden in dem darauf folgenden Jahr nötig, da die Vergaser falsche Luft zogen. Sie wurden gegen neue /6-Vergaser ausgetauscht. Die originalen Vergaser warten seit dem auf eine Überholung. Wenn jemand eine Adresse hat, die Drosselklappenwellen neu bohrt, bitte mailen.

Seit Ende 1999 ist sie wieder eingemottet, da mit steigender Anzahl der Fahrzeuge es immer schwieriger wird diese “artgerecht” zu bewegen und zu warten.

Sie wurde von mir dann auf Langschwinge umgebaut. Mit S-Verkleidung und Sitzbank, /6-Seitendeckel und Zusatzinstrumenten. Der Motor wurde teilrestauriert und das ganze Motorrad schwarz lackiert. Sie sollte einer R90S ähnlich sehen.
Nach einem Unfall montierte ich einen alten braunen /7 Tank und demontierte die S-Verkleidung. Sie war dann recht hässlich anzusehen.
Um Geld zu sparen (war Student) kaufte ich mir 1987 ein Auto (Renault R4) und stellte die /5 in eine Scheune in der Pfalz. Dort stand sie dann bis 1993.

Durch den ZDL Hans-Peter wurde mein Interesse Anfang der 80er Jahre für alte (klassische) Motorräder geweckt. Während meines Zivildienstes suchte und fand ich die 75/5. Mit weißer Sitzbank, Playboy-Aufkleber aber fahrbereit sammelte ich erste Erfahrungen mit der BMW.